Elena Aleksandrovna Timoféeff-Ressovsky

Herausragende Genetikerin und weit mehr als die Frau ihres Mannes (1898-1973)

Besondere wissenschaftliche Verdienste

Auf Grund des abenteuerlichen Lebens ihres Mannes stand Elena Aleksandrovna Timoféeff-Ressovsky in seinem Schatten, obwohl beide ihre Forschungen zur Drosophila-Genetik und später zur radioaktiven Verseuchung von Boden und Wasser gemeinsam veröffentlichten. 20 Jahre For­schung in Berlin machten sie in der internationalen Fachwelt als herausragende Genetikerin bekannt.

Lebenslauf

Poster Elena Aleksandrovna Timoféeff-Ressovsky
Elena Aleksandrovna Timoféeff-Ressovsky

1898  Elena wird am 21. Juni in Moskau geboren (nach Julianischem Kalender am 8. Juni). Sie wächst zusammen mit vielen Geschwistern wohlbehütet auf und erhält eine ausgezeichnete Schulbildung.

1917  Beginn des Studiums der Biologie und Zoologie in Moskau, wo sie Nikolaj Timoféeff-Ressovsky kennen lernt und 1922 heiratet.

1923  Geburt des Sohnes Dimitrij (†1945).

1925  Das Ehepaar Timoféeff-Ressovsky reist mit ihrem Sohn auf Einladung nach Berlin, um am Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung (KWI) zur Genetik zu forschen.

1927  Geburt des Sohnes Andrej.

1929  Nikolaj Timoféeff-Ressovsky wird Leiter seiner eigenen Abteilung für experimentelle Genetik, in der Elena als Assistentin arbeitet.

1931  Das KWI bezieht die neuerbauten Einrichtungen in Berlin-Buch.

Die Bedingungen am KWI sind für Wissenschaftlerinnen günstig. Hier arbeitet Cécile Vogt als Abteilungsleiterin. Neben Elena Timoféeff-Ressovsky arbeiten am Institut die Wissenschaftlerinnen Estera Tenenbaum, Stella Rose, Rosa Schragenheim, Irmgard Leux und Getrud Soeken sowie die Vogt-Töchter Marthe und Marguerite.

1933  Elena scheidet offiziell auf Druck der Nazis gegen das sogenannte "Doppelverdienertum" als Assistentin aus, arbeitet aber weiterhin im Laboratorium ihres Mannes.

1937  Die Abteilung für experimentelle Genetik wird eigenständig und nur noch räumlich mit dem KWI verbunden. Marguerite Vogt fertigt ihre Dissertation bei Timoféeff-Ressovsky an und promoviert 1937.

1943  Sohn Dimitrij wird wegen Aktivitäten gegen die Nazis und Hilfe für Kriegsgefangene im Sommer 1943 von der Gestapo verhaftet.

1945  Dimitrij wird noch acht Tage vor Kriegsende im KZ Mauthausen umgebracht.

Elenas Mann Nikolaj wird im Herbst desselben Jahres vom NKWD (russ. Volkskommissariat für innere Angelegenheiten) in Berlin-Buch verhaftet und nach Moskau in das berüchtigte Gefängnis Lubjanka gebracht. Er wird zu Lagerhaft verurteilt und in ein Lager nach Kasachstan verschleppt. Eine andere Abteilung des NKWD, die ihn zur Mitarbeit an der Atomforschung gewinnen will, findet ihn nach einem Jahr, rettet ihn aus dem Lager und verpflichtet ihn für die Mitarbeit am sowjetischen Atombombenprojekt.

1946/1947  Elena arbeitet als Assistentin am Zoologischen Institut in der Abteilung von Hans Nachtsheim an der Universität Berlin.

1947  Elena Timoféeff-Ressovsky und ihr Sohn Andrej können in den Ural reisen, wo Nikolaj Timoféeff-Ressovsky inzwischen am sowjetischen Atombombenprojekt mitarbeitet. Im Projekt in Sungul arbeiten sie gemeinsam an Untersuchungen über Strahlenschäden.

1955  Das Ehepaar Timoféeff-Ressovsky darf wieder reisen und publizieren, allerdings nur innerhalb der UdSSR.

1955-1964  Elena arbeitet gemeinsam mit ihrem Mann in Swerdlowsk in der Abteilung Radiobiologie und Biophysik des Instituts für Biologie (Akademie der Wissenschaften der UdSSR) und fertigt hier ihre Habilitation an.

1964-1973  Sie arbeitet als Pensionärin ("Konsultant") in einem Laboratorium der von N. Timoféeff-Ressovsky geleiteten Abteilung Radiobiologie und Genetik am Institut für medizinische Radiologie in Obninsk bei Moskau.

1973  Elena stirbt am 29. April.