Margarete Schütte-Lihotzky

Pionierin des sozialen Wohnbaus und Widerstandskämpferin (1897-2000)

Besondere Verdienste

  • Entwicklung der Frankfurter Küche, der Kernhausidee, von Zentralwäschereien und Wohnsiedlungen für Kriegsinvalide.
  • Sie kümmerte sich um die Wohnbelange von Kindern.
  • Preise: Lobmeyer-Preis, Joliot-Curie-Medaille, Architekturpreis (Wien), Prechtl-Medaille, Ehrendoktorin verschiedener Universitäten, Ehrenmedaille (Wien).

Lebenslauf

Poster Margarete Schütte-Lihotzky
Margarete Schütte-Lihotzky

1897  Margarete Lihotzky wird am 23. Januar als Tochter eines österreichischen Staatsbeamten in Wien geboren.

1915-1919  studiert sie gegen den Willen ihres Vaters als erste Frau an der Wiener Kunstgewerbeschule Architektur. Sie wird 1919 die erste diplomierte Architektin.

1922-1925  Sie gewinnt Siedlungsbau-Wettbewerbe und organisiert eine Beratungsstelle für Wohnungseinrichtungen. Margarete und ihre Eltern erkranken an Tuberkulose, nur Margarete überlebt.

1926  Margarete entwickelt für das Frankfurter Hochbauamt in Deutschland die Frankfurter Küche, die heute als Prototyp der modernen Einbauküche gilt.

1927  heiratet Margarete Wilhelm Schütte, einen Architekturkollegen.

1930-1933  Als einzige Frau unter 32 Architekten entwirft sie für die Wiener Werkbundsiedlung zwei Reihenhäuser. 1933 wird ihre Arbeit auf der Weltausstellung in Chicago gezeigt.

1930-1937  Aufgrund der politischen Situation in der Weimarer Republik flieht Margarete mit ihrem Mann und einer Gruppe Architekten 1930 in die Sowjetunion. Die Gruppe soll den ersten von Stalins Fünfjahresplänen verwirklichen und aus einer Stadt mit Lehmhütten und Kasernen eine Industriestadt mit 200.000 Einwohnern errichten. Margarete ist dabei als Expertin für Kinderbauten zuständig.

1934  reist sie mit ihrem Mann aus der Sowjetunion nach China, um für das chinesische Ministerium Baurichtlinien für Kindergärten zu erstellen.

1937  Aufgrund von Stalins Säuberungen verlässt das Ehepaar die Sowjetunion und geht nach London, Paris und Istanbul.

1938-1940  Margarete Schütte-Lihotzky schließt sich dem kommunistischen Widerstand gegen das Nazi-Regime an. 1939 tritt sie der österreichischen kommunistischen Partei (KPÖ) bei und reist mit ihrem Mann 1940 nach Wien zurück.

1941-1945  wird Margarete Schütte-Lihotzky von der Gestapo verhaftet und zum Tode verurteilt. Ihr Mann fälscht öffentliche Papiere, wodurch er eine Umwandlung der Todesstrafe in 15 Jahre Zuchthaus bewirken kann. Wenige Tage vor Kriegsende wird Margarete von amerikanischen Truppen befreit.

1946  leitet sie die Abteilung für Kindereinrichtungen der Baudirektion in Bulgarien.

1947  kehrt Margarete mit ihrem Mann nach Wien zurück und engagiert sich für die Gleichberechtigung und in der Friedensbewegung. Als Kommunistin erhält sie keine öffentlichen Aufträge, darum arbeitet sie als Beraterin der Volksrepublik China, Kubas und der DDR.

1951  trennt sie sich von ihrem Mann.

1962  wird sie Städtebauexpertin der UNO.

1980  erhält sie den Architektur-Preis der Stadt Wien.

1988  Eine Ehrung des österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim lehnt Margarete Schütte-Lihotzky wegen seiner zweifelhaften Nazivergangenheit ab.

1996  unterstützt sie das Frauenvolksbegehren zur Gleichstellung von Frauen und Männern im Bundes-Verfassungsgesetz.

2000  Margarete Schütte-Lihotzky stirbt am 18. Januar in Wien. Sie wird in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben.