Maria Cunitz

Die Muse der Astronomie (1604/1610-1664)

Besondere wissenschaftliche Verdienste

  • Maria Cunitz stellt ihrem Werk ein ganz ungewöhnliches Vorwort voran. Neben der internationalen Wissenschaftssprache Latein verwendet sie ihre Muttersprache Deutsch. Damit ermöglicht sie vielen Menschen den Zugang zur Wissenschaft.
  • Ein Krater auf der Venus trägt den Namen Cunitz-Krater.

Lebenslauf

Poster Maria Cunitz
Maria Cunitz

1604 oder 1610  Maria Cunitz wird am 29. Mai im schlesischen Wohlau im heutigen Polen geboren. Ihre Mutter entstammt einer angesehenen Patrizierfamilie, ihr Vater gehört dem höheren Bürgertum an und studierte Medizin, Mathematik und Astronomie.

1609  Bereits mit fünf Jahren kann Maria lesen, da der Vater ihr Unterricht in sechs Sprachen sowie Mathematik, Musik, bildender Kunst und Geschichte erteilen lässt. Später prägt er Marias Interesse für Astronomie.

1610  entwickelt der Astronom und Mathematiker Galileo Galilei das Teleskop.

1618  Der Dreißigjährige Krieg bricht aus; dies bedeutet Repressalien gegen Protestanten und Anhänger der Theorie von Kopernikus, nach der nicht die Erde, sondern die Sonne den Mittelpunkt des Universums darstellt. Der Glaube an dieses Weltbild bedeutet Ketzerei.

1623  Maria wird im Alter von 13 (bzw. 19) Jahren mit dem Juristen David v. Gerstmann verheiratet, der den Wissensdrang seiner jungen Frau nicht einschränkt.

Als David nach wenigen Jahren stirbt, kehrt Maria in ihr Elternhaus zurück und widmet sich intensiv der Astronomie. Sie erhält Unterweisungen von ihrem Vater und Elias Krätschmeier, Arzt und Astronom. Letzterer wird ihr Tutor und ändert später seinen Namen in Elias von Löwen.

1629  Maria Cunitz zieht mit ihren Eltern nach Liegnitz, da besonders der Vater nicht gewillt ist, von seinem protestantischen Glauben abzuschwören und zum Katholizismus überzutreten. Kurze Zeit später verstirbt er, vermutet wird auch der baldige Tod Marias Mutter.

1630  Nach dem Tod der Eltern heiratet Maria Cunitz Elias von Löwen. Das Ehepaar entflieht dem Krieg und zieht nach Pitschen nahe der polnischen Grenze.

1630-1647  Maria Cunitz studiert die „Rudolfinischen Tafeln“, die Sternentabellen Johannes Keplers mit 1005 Sternen, deren Werte er zusammengestellt hatte, um ihre Bewegungen zu berechnen. Sie erkennt in Keplers Tafeln logarithmische Zahlen, rechnet diese in rationale um und kann so Keplers Aussagen bestätigen. Forschungen der Astronomie sind zu dieser Zeit äußerst gefährlich, daher fliehen Maria und Elias in ein polnisches Nonnenkloster nach Lubnice. Hier kann Maria ihre wissenschaftlichen Arbeiten zu Keplers Tafeln fortsetzen.

1648  Nach Kriegsende gehen Maria und Elias nach Pitschen zurück.

1650  Maria veröffentlicht ihr mit eigenen Mitteln finanziertes Werk "Urania Propitia" in der Gelehrtensprache Latein sowie in Deutsch. Mit ihrem Werk will sie besonders interessierte Laien ansprechen und die Astronomie auf eine verständliche und nachvollziehbare Weise erklären. Erst Ende des 17. Jahrhunderts wird für Deutsch als Wissenschaftssprache argumentiert, weshalb das frühe zweisprachige Werk Maria Cunitz’ bis weit ins 18. Jahrhundert unter Historikern als wegweisend und einmalig für die deutsche Wissenschaftsgeschichte gilt.

1661  stirbt Elias von Löwen.

1664 am 22. August verstirbt Maria Cunitz im Alter von 60 Jahren an einem unbekannten Ort.