Weibliche Vorbilder

Frauen in Naturwissenschaft und Technik

Posterausstellung - Titelübersicht

Sieht man in die Hörsäle - nicht nur an der Fachhochschule Lübeck -, so ist festzustellen, dass sich sehr viel weniger Mädchen und Frauen für Naturwissenschaften und Technik begeistern als Männer. Dies liegt nicht zuletzt am Fehlen weiblicher Vorbilder.

Frauen haben jedoch auch in Naturwissenschaft und Technik stets eine wesentliche Rolle gespielt. Ihre Geschichte ist bis heute kaum bekannt, obwohl viele ihrer Leistungen genauso bewegend oder bahnbrechend waren wie die ihrer männlichen Kollegen.

In der Posterausstellung "Frauen in Naturwissenschaft und Technik", die wir Ihnen auf dieser Seite präsentieren, finden Sie Portraits von 23 Frauen, die besondere Verdienste in sonst eher männlich dominierten Disziplinen erreicht haben. Klicken Sie einfach auf die Namen in der ersten Spalte der folgenden Tabelle, um zu den Portraits zu gelangen.

Die Portraits wurden von der Gleichstellungsbeauftragten der Fachhochschule Lübeck konzipiert und zusammengestellt. Unterhalb der Tabelle finden Sie weitere Informationen zur Entwicklung und Intention der Ausstellung.

Name Beruf Gelebt
Agnesi, Maria Gaetana Mathematikerin 1718-1799
Beese, Melli (Amelie Hedwig) Erste deutsche Pilotin 1886-1926
Cori, Gerty Theresa Biochemikerin, Nobelpreis für Medizin 1947 1896-1957
Cunitz, Maria Astronomin 1610-1664
Curie, Marie Physikerin, Nobelpreise für Physik 1903, Chemie 1911 1867-1934
Franklin, Rosalind Elsie Molekularbiologin und Biophysikerin 1920-1958
Germain, Sophie Mathematikerin 1776-1831
Goeppert-Mayer, Maria Physikerin, Nobelpreis für Physik 1963 1906-1972
Haslett, Caroline Ingenieurin 1895-1957
Herschel, Karoline Lucretia Astronomin 1750-1848
Crowfoot Hodgkin, Dorothy Chemikerin, Nobelpreis für Chemie 1964 1910-1994
Hopper, Grace Murray Mathematikerin 1906-1992
Joliot-Curie, Irène Physikerin, Nobelpreis für Chemie 1936 1897-1956
Kowalewskaja, Sofia Mathematikerin 1850-1895
Lovelace, Ada Byron Programmiererin 1815-1850
Meitner, Lise Physikerin 1878-1968
Merian, Maria Sibylla Naturforscherin und Zeichnerin 1647-1717
Mitchell,Maria Astronomin 1818-1889
Noether, Emmy Mathematikerin 1882-1935
Swallow Richards, Ellen Chemikerin und Ökologin 1842-1911
Schütte-Lihotzky, Margarete Pionierin des sozialen Wohnungsbaus 1897-2000
Timoféeff-Ressovsky, Elena Aleksandrovna Genetikerin 1898-1973
Vogt, Cécile Medizinerin, Mitbegründerin der modernen Hirnforschung 1875-1962

  • Konzeption und Entwicklung der Posterausstellung

    Im Jahr 2000 wurde die Arbeitsgemeinschaft "Frauenaspekte in der Planung des neuen Hochschulstadtteils" gegründet. Im Süden der Hansestadt Lübeck, in unmittelbarer Nähe zur Universität und zur Fachhochschule, sollte ein neuer Stadtteil entstehen, der so genannte Hochschulstadtteil.

    In der Folge war die Fachhochschule Lübeck, wie andere Institutionen auch, aufgefordert, geeignete Personen aus Wissenschaft und Forschung als Namensgeberinnen für die Straßen des entstehenden Hochschulstadtteils zu benennen. Mit einem Bürgerschaftsbeschluss wurde Ende des Jahres 2001 schließlich festgelegt, dass 14 Frauen aus Wissenschaft und Forschung zu den Namensgeberinnen der Straßen im neuen Hochschulstadtteil gehören würden.

    Dies war der äußere Anstoß, eine Posterausstellung zu konzipieren, in der eben diese Frauen vorgestellt werden sollten. Die 14 von der Lübecker Bürgerschaft ausgewählten Namensgeberinnen wurden noch um drei Nobelpreisträgerinnen mit insgesamt 4 Auszeichnungen für Physik und Chemie sowie weitere bedeutende und interessante Pionierinnen im Bereich Naturwissenschaften und Technik ergänzt.

    Die resultierende Posterausstellung versteht sich keinesfalls als abschließend. So fehlen z. B. bislang Frauen aus Asien oder Südamerika. Es ist vielmehr ein fortbestehendes Ziel, die Liste der portraitierten Frauen zu verlängern, indem wir die Posterausstellung fortlaufend erweitern.

  • Warum diese Posterausstellung? – Frauen mit Vorbildfunktion

    Ein originäres Aufgabengebiet der Gleichstellungsbeauftragten ist es, junge Frauen für Technik zu begeistern, aber es fehlen leider oftmals historische oder aktuelle Vorbilder. Die Posterausstellung beleuchtet nicht nur die Frauen selbst, sondern auch die Rahmenbedingungen, innerhalb derer sie gelebt und gearbeitet haben. Der Zugang zu höherer Schulbildung und Studium war Mädchen und Frauen oft nicht nur erschwert, sondern offiziell verwehrt.

    Bei der Recherche fiel auf, dass es wahrscheinlich nicht so leicht ist, geeignetes Material, gerade auch in Form von Bildern, für ein entsprechendes Poster zu finden. So ist z. B. selbst im "Lexikon berühmter Frauen" von Luise Pusch die Sparte der Wissenschaftlerinnen deutlich unterbesetzt.

    Wir wissen aus der Vergangenheit, dass Vorbilder eine große Wirkung haben. Hierzu ein Beispiel: 1910 wurde das Radiuminstitut in Wien auf Basis privater Spenden gegründet (als Institut der österreichischen Akademie der Wissenschaften von der Uni Wien). Die Führung dieses Instituts oblag zunächst Stefan Meier. Zwischen der Gründung des Instituts und 1945 waren dort über 70 Frauen beschäftigt (Angestellte und freie Mitarbeiterinnen). Das entspricht einem Frauenanteil von 22-57% an dem Institut. Wie kam es gerade in dieser Zeit zu so einem hohen Frauenanteil?

    Unter Anderem waren folgende Gründe auszumachen: Stefan Meier als Institutsleiter förderte Frauen aktiv. So hatte er z. B. schon 1906 Lise Meitner nach Abschluss der Promotion ermutigt, sich mit der Erforschung der Radioaktivität zu beschäftigen. Daneben gab es aber auch ein starkes weibliches Vorbild in diesem Forschungsfeld. Marie Curie als Entdeckerin des Radiums hatte 1911 ihren zweiten Nobelpreis erhalten. Vorbilder sind immer wieder wichtig zur Identitätsstiftung und gerade im technischen Bereich können wir für junge Frauen nicht genug davon bekommen.

    1897 gab es eine Umfrage unter Hochschullehrern mit der Fragestellung "Welche Gründe sprechen für bzw. gegen das akademische Studium der Frauen?" Folgende Antworten sind dokumentiert: Max Planck, zur der Zeit Direktor des Instituts für Theoretische Physik der Universität Berlin: "Amazonen sind auch auf geistigem Gebiet naturwidrig [...]. Im Allgemeinen aber kann man nicht stark genug betonen, dass die Natur selbst den Frauen ihren Beruf als Mutter und als Hausfrau vorgeschrieben hat [...]".

    Auch Wilhelm Ostwald, der 1909 den Nobelpreis für Chemie bekam, sieht in der Dreiform mit Ehefrau, Hausfrau und Mutter die Berufs- und Lebensbestimmung der Frau. Er hebt hervor, "dass die Befriedigung, die aus dieser Tätigkeit hervorgehe [...] reiner und stärker sei, als sie durch irgendeine wissenschaftliche Entdeckung sein könnte [...]".

    Nun, viele Frauen sahen und sehen ihre Situation anders. So bekannte die Biochemikerin Gerti Theresa Cori: "Die Liebe zur Arbeit und die Hingabe an sie scheinen mir die Basis meines Glücks zu sein."

Kontakt für Verleih

Danksagung

Ein herzliches Dankeschön gilt vor allem Susanne Bodendörfer und Maysun Kellow für ihre Geduld im kreativen Chaos, Beate Meier für die schnelle Umsetzung, Monika Hansen für Übersetzung und Lektorat und der Fachhochschule Lübeck für die Förderung dieses Projektes.

Für die italienische Übersetzung und Bereitstellung der entsprechenden Poster danken wir zudem recht herzlich Frau Hagemann und dem Goethe-Institut Triest.

Inhaltliche Information, Idee und Konzeption

Katrin Molge, Gleichstellungsbeauftragte
Fachhochschule Lübeck
Mönkhofer Weg 239
23562 Lübeck
Tel. +49 451 300 5255
E-Mail: molge(at)fh-luebeck.de

Gestaltung und Design

Bodendörfer und Kellow, Lübeck
Grafik-Design, Medienproduktion
E-Mail: info(at)bo-ke.de