Chinesische Studierende

Das Programm zielt darauf, hoch qualifizierten Nachwuchs an Führungskräften für den internationalen Arbeitsmarkt, insbesondere für die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen, heranzubil­den. Hoch einzuschätzen ist außerdem der durch das Studienmodell geleistete Beitrag zur interkulturellen Verständigung.

Auf dieser Seite informieren wir über die Geschichte, den Aufbau und die Organisation des Programms.

  • Geschichte

    Bereits seit 1989 verbindet die Fachhochschule Lübeck und die East China University of Science and Technology (ECUST) eine enge Zusammenarbeit im Austausch von Wissenschaftler_innen, seit 1995 auch von Studierenden. Die Shanghaier Partnerhochschule zählt zu den chinesischen Top-Universitäten und belegt in den jährlichen nationalen Rankings regelmäßig vordere Plätze.

    2001 äußerte die ECUST den Wunsch nach einer weiteren Intensivierung der Beziehungen in Form gemeinsamer Studiengänge gemäß dem Vorbild des praxisorientierten deutschen Fachhochschulkonzepts. Das Deutsch-chinesische Studienmodell startete zum Wintersemester 2004/2005 - begleitet von großem öffentlichen Interesse.

    Der erste Jahrgang chinesischer Studierender nahm zum Wintersemester 2004/2005 das gemeinsam organisierte Studium an der ECUST auf, wechselte im März 2007 in die zweite Studienphase nach Lübeck und erwarb im Juli 2008 den Diplomabschluss der Fachhochschule Lübeck. Im Jahr 2011 wurde das Studienmodell von Diplom auf Bachelor umgestellt. Bis heute erreichen jedes Jahr ca. 70 chinesische Studierende ihren Doppelabschluss im Rahmen des Studienmodells. Weit über 500 chinesische Studierende haben seit 2008 erfolgreich das Studium abschließen können. Im Juli 2017 feiert das Modell sein 10-jähriges Jubiläum. Seit März 2017 studiert der 11. Jahrgang in Lübeck.

    Die Absolventinnen und Absolventen des Studienmodells finden in Unternehmen in China oder auch in Deutschland Arbeit. Viele beginnen ein Aufbaustudium in China, Deutschland, anderen europäischen Ländern, den USA oder Australien.

    Die Statistik zeigt, dass die Zahl derjenigen, die nach dem Abschluss in Lübeck zu einem Masterstudium zugelassen werden, im Laufe des Projekts erheblich gestiegen ist. Schrieben sich von den Graduierten des Jahres 2008 noch 27 Prozent für ein Masterstudium ein, waren es zwei Jahre später schon rund 58 Prozent.

    Von den Graduierten des Jahres 2015 wurden 82 Prozent aus dem Studiengang Environmental Engineering und rund 66 Prozent aus dem Studiengang Information Technology zu Masterprogrammen an renommierten Universitäten in Deutschland und weltweit zugelassen. 

    Dazu zählen zum Beispiel: TU München, RWTH Aachen, Universität Bonn, Universität Stuttgart, University of Edinburgh (Großbritannien), Pennsylvania State University (USA), Royal Institute of Technology (Stockholm), University of Tsukuba (Japan) sowie die Hong Kong University of Science and Technology.

  • Struktur
    Chinesische Absolvent_innen im Lübecker Rathaus

    Das Deutsch-chinesische Studienmodell umfasst die beiden Studiengänge Information Technology und Environmental Engineering - englischsprachige Abbilder bewährter Studienangebote der FH Lübeck. Nach fünf Semestern in Shanghai und drei Semestern in Lübeck erhalten die Studierenden einen deutsch-chinesischen Doppelabschluss: den Bachelor of Science (B.Sc.) der FH Lübeck und den Bachelor of Engineering (B.Eng.) der ECUST.

    Professor_innen der FH Lübeck sind jedes Semester mehrere Wochen in Shanghai präsent, um Blockunterricht im Rahmen der beiden gemeinsamen Studiengänge zu erteilen. Sie leisten dadurch ca. zehn Prozent der Lehre in den ersten fünf Semestern an der ECUST. Insgesamt übernimmt die FH Lübeck 40 Prozent der Lehrveranstaltungen des Studienmodells.

    Das kooperative Studienmodell steht vorerst nur chinesischen Bewerber_innen offen - pro Jahr 40 je Studiengang. Die Aufnahme einer begrenzten Anzahl deutscher Studierender in den englischsprachigen Unterricht am Standort Lübeck ist jedoch bereits eingeplant. Die Einführung integrierter Studiensemester in Shanghai für Studierende der FH Lübeck wird diskutiert.

  • Studienaufbau

    Das Studium teilt sich in zwei Phasen: Vom ersten bis fünften Semester ist Shanghai Standort des kooperativen Modells, vom sechsten bis achten Semester Lübeck. Nach acht Semestern erhalten die Studierenden einen deutsch-chinesischen Doppelabschluss.

    Zu Beginn des Studiums liegt der Schwerpunkt auf der Vermittlung mathematischer und naturwissenschaftlicher Grundlagen und dem Englischunterricht. Vor Ende des vierten Semesters müssen die Studierenden den internetbasierten TOEFL-Englischtest mit mindestens 71 Punkten bestehen. Dies ist Voraussetzung dafür, dass sie zum sechsten Semester nach Lübeck wechseln dürfen. Im fünften Semester wird ein Praktikum in Unternehmen in Shanghai und Umgebung durchgeführt. Gleichzeitig beginnen Deutschkurse zur Vorbereitung auf den Studienaufenthalt in Lübeck.

    Das sechste und siebte Semester absolvieren die Studierenden an der FH Lübeck. Um den Start in Deutschland zu erleichtern, wird den Studierenden nach Ihrer Ankunft ein zwei- bis dreiwöchiger Deutsch-Intensivkurs mit Kulturprogramm angeboten. Während des Semesters wird der Deutschunterricht neben den englischsprachigen Fachvorlesungen fortgeführt. Das achte Semester ist für die Bachelorarbeit vorgesehen, die in Unternehmen der Region und auch deutschlandweit geschrieben und betreut werden soll.

    Schematischer Aufbau des Studienmodells
  • Management

    Zur Durchführung des kooperativen Studienmodells mit der FH Lübeck gründete die ECUST eigens das Sino-German College of Technology. Dort stehen dem Programm hoch qualifiziertes Lehr- und Verwaltungspersonal sowie modernste Unterrichts- und Laborausstattung zur Verfügung. Der Direktor des College und Projektleiter in Shanghai spricht fließend Deutsch und verfügt über langjährige Deutschlanderfahrung.

    Auf deutscher Seite wird das Modell unter der Leitung des Vizepräsidenten von der China-Koordination in enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Fachbereichen Angewandte Naturwissenschaften und Elektrotechnik und Informatik sowie mit dem International Office organisiert.

    Ort der gemeinsamen Projektsteuerung ist das Joint Management Committee, das aus vier Vertretern der ECUST und vier Vertretern der FH Lübeck besteht und alle sechs Monate abwechselnd in Lübeck und Shanghai tagt.

  • Bewerber_innen-Auswahl

    Die Auswahl der Studierenden erfolgt durch die ECUST. Da sie zu den Top-Universitäten in China zählt, haben nur Studierende mit Bestnoten in der nationalen Hochschulzugangsprüfung (Gaokao) eine Chance auf einen Studienplatz. Aus allen Bewerbungen wählt die ECUST in einem ersten Schritt anhand der Gaokao-Ergebnisse aus und führt dann nochmals eine Auslese durch. Somit ist gewährleistet, dass nur hervorragende Studierende in das anspruchsvolle Programm aufgenommen werden.

    Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass das Deutsch-chinesische Studienmodell gerade besonders qualifizierte Studierende anzieht: Ihre Gaokao-Ergebnisse lagen deutlich über dem Durchschnitt aller Bewerbungen an der ECUST. Die Anzahl der qualifizierten Bewerbungen überstieg das jährliche Kontingent von 80 Plätzen bei weitem.

  • Evaluation

    "Das Sino-German College der ECUST und der FH Lübeck ist ein überzeugendes Beispiel für eine gelungene Zusammenarbeit einer deutschen und einer ausländischen Hochschule." (Dr. Ewald Berning, Gutachter)

    Nachdem bereits die Hochschulrektorenkonferenz das Studienmodell von FH Lübeck und ECUST in ihrer Studie Deutsch-chinesische Studienprogramme: Analysen und Empfehlungen als eines von sieben Best-Practice-Modellen deutsch-chinesischer Hochschulkooperation vorgestellt hatte, beurteilte ein unabhängiges Gutachterteam im Auftrag des DAAD das Projekt nach einer umfangreichen Prüfung am Standort Shanghai im Dezember 2005 sehr positiv:

    Das Deutsch-chinesische Studienmodell stehe auf einem soliden Fundament und verspreche, ein Modell mit Vorbildcharakter zu werden. Dem Evaluationsbericht zufolge bieten der Kooperationsvertrag, die Geschäftsführung des Sino-German College sowie das Joint Management Committee eine verlässliche Basis für ein hohes Niveau in Lehre, Forschung und Fortbildung. Die Gutachter loben die fachliche, administrative und atmosphärische Gleichberechtigung der Partner, die institutionelle Anerkennung des Projekts auf beiden Seiten sowie das schlüssige Finanzierungskonzept. Die Lehr- und Studienbedingungen werden als sehr gut bewertet. Die Evaluatoren schätzen die Inhalte der Studiengänge als aktuell und am Arbeitsmarkt orientiert ein.

    Hervorgehoben wird die Tatsache, dass die FH Lübeck bewährte Elemente ihrer praxis- und industrienahen Ingenieurausbildung einbringt, die es im chinesischen theorielastigen Studium noch nicht gibt. Die Studierenden des Studienmodells zeichnen sich durch überdurchschnittliche Leistungen und sehr gute Englischkenntnisse aus. Der FH Lübeck sei es gelungen, mit der ECUST einen überaus starken Partner für gemeinsame Studien- und Forschungsvorhaben zu gewinnen.

    Eine weitere Evaluation im Juni 2008 bestätigte diese Einschätzung und bezeichnete das Studienmodell als Vorzeige-Projekt des DAAD. Aus diesem Grund wurde das Projekt bis einschließlich 2012 gefördert.