Die Kirchengemeinde Luther-Melanchthon zu Lübeck unterhält seit rund 20 Jahren eine intensive Partnerschaft mit der Igoma Lutheran Parish in Tansania. Es wurden bereits einige Projekte angestoßen und es findet ein regelmäßiger Austausch durch abwechselnde Besuche beider Seiten statt.
Tansania liegt im Osten Afrikas und zählt zu einem der ärmsten Länder der Welt. 90% der Bevölkerung leben in Armut was durch ein BIP pro Kopf von 551 USD und einem HDI von 0,53 (Platz 151) deutlich wird. (Vergl. dazu Deutschland mit einem BIP pro Kopf von 40.875 USD und einem HDI von 0,885 (Platz 10)).
Vor dem Hintergrund der UN Millenium Development Goals, die unter anderem eine Halbierung der Armut bis 2015 zum Ziel haben sowie jedem Menschen das Recht auf Wasser zuschreiben, sind die Probleme klar erkennbar. Aufbauend auf der Master Thesis von Maleen Krugmann, die im Jahr 2009 die Defizite der Grundbedürfnisse in der Siedlungshygiene aufzeigte, wurde die Trinkwasserversorgung mit hygienisch einwandfreiem Wasser als das dringlichste Bedürfnis angesehen. Durch Erhebung des Ist-Zustandes durch eine ausführliche Befragung von 120 Familien im Großraum Mwanza genauer in Igoma, Kissesa, Ihayabuyaga und Ikengele wurden die Themengebiete Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Regenwasserwirtschaft und Energiewirtschaft erfasst und nach dem Sensitivitätsmodell von Frederic Vester analysiert.

Die Situation stellt sich laut der Befragungen wie folgt dar: Zwar haben die meisten Familien (51%) Zugang zu zwei verschiedenen Wasserstellen, dies sind allerdings Brunnen mit Pumpen und offene Wasserstellen. Da die Brunnen in der Trockenzeit aber häufig kein Wasser mehr führen, muss dann vollends auf die Wasserstellen zurückgegriffen werden. Ein kleiner Teil (17%) haben Zugang über eigene Wasserhähne oder Zugang zu einem Wasserhahn in der Nachbarschaft. Dies trifft jedoch lediglich auf Igoma und vereinzelt in Kissesa zu. Aus dem oben genannten Sachverhalt ergibt sich, dass 70% aller befragten Familien ausschließlich oder zumindest ergänzend Wasser aus Wasserlöchern beziehen. Dabei liegt die Distanz zu den Wasserstellen zwischen einem und vier Kilometern. Der tägliche Wasserbedarf hängt von der Größe der Familie ab. Auch das Krankheitsbild hängt stark von der Art des Nutzens und der Aufbereitung des Wassers ab. Dabei haben das Abkochen und die Hygiene (Händewaschen) den stärksten Einfluss auf eine Verringerung der Erkrankungen. Lediglich 2% Verbesserung wird durch das ausschließliche Filtern des Wassers erzielt. Dies liegt jedoch an den unzureichenden Filterarten wie Tücher oder Teesiebe und verdeutlicht die Wichtigkeit der Aufklärung der Bevölkerung durch Hygiene Workshops und zeigt das Potenzial einer Verbesserung durch adäquate Filter.

Daher wurde nun in der ersten Kampagne 2011 ein Filter entwickelt, der sowohl die lokal verfügbaren Materialien nutzt und dadurch günstig und einfach zu produzieren ist, als auch eine gute Reinigungsleistung sicher stellt. Vorbild der Entwicklung ist der Filter von Arche Nova, der bereits in einigen Ländern erfolgreich gebaut wurde. Zusätzlich sollen aus oben genanntem Grund Hygiene-Workshops geplant und durchgeführt werden. Für die Vorbereitung und die Voruntersuchungen wurde die Zeit bis Juli genutzt und ab dem Zeitpunkt wurde die gewonnen Erkenntnisse vor Ort umgesetzt. Zusätzlich wurde das Konzept einer Lehmkochstelle entwickelt und ebenfalls in Tansania eingeführt. Dies ermöglicht eine effiziente Nutzung des Brennholzes und reduziert die Schadstoffbelastung der Bevölkerung durch das Abführen des Rauches durch einen Schornstein.

Der Solar-Workshop wurde ebenfalls wieder belebt, indem die bereits vorhandenen Lampen durch ein neues System ersetzt wurden und die alten defekten Akkus wurden hier in Deutschland entsorgt. Weitere Kampagnen, die alle bisherigen Teilbereiche wieder aufknüpfen und die neue Anstöße im Bereich der sanitären Versorgung und der Trinkwasserversorgung geben sollen sind geplant. Aus der letzten Kampagne haben sich drei Abschlussarbeiten der beteiligten Studenten ergeben.