In den vergangenen Jahren ist zunehmender der Eintrag von Spurenstoffen in die Oberflächen- und Grundwasserkörper in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gekommen. Über urbane Entwässerungssysteme werden neben den üblichen abwassertechnischen Wasserinhaltstoffen (leicht abbaubare organische Verbindungen, Stickstoff- und Phosphorverbindungen) stets auch Spurenstoffe in die Gewässer eingetragen. Hierzu zählen u.a. Arzneimittelrückstände (Antibiotika, Schmerzmittel, …), Pflanzenschutzmittel, Biozide und viele mehr (z.B. Weichmacher). Bisher waren die Erfassung von Herkunft, Ausbreitung und Rückhalt dieser Stoffgruppe kaum Gegenstand wissenschaftlicher Fragestellungen. Erst mit zunehmendem Handlungsdruck, der auf nachweisbare Verschmutzungen von Oberflächengewässern und Grundwasserkörpern zurückzuführen ist, geraten auch genannte Spurenstoffe und damit deren Ausbreitung über das urbane Entwässerungssystem in den Fokus.

Kommunalen Kläranlagen kommt als Schnittstelle zwischen den Entwässerungssystemen und den Oberflächengewässern somit entscheidende Bedeutung zu. Auch wenn bisherige Verfahren der Abwasserreinigung gem. dem Stand der Technik nicht auf den Rückhalt von Spurenstoffen abzielen, so ist dennoch zu erwarten, dass wenigstens ein Teil der meist gelösten organischen Verbindungen eliminiert wird.

Das Projekt hat zunächst zum Ziel im Rahmen einer Bestandserfassung, die in Schleswig-Holstein zu erwartenden einwohnerspezifischen Spurenstofffrachten im Rohabwasser zu bestimmen. Im weiteren werden dann die spezifischen Eliminationsleistungen in verschiedenen physikalischen, chemischen und biologischen Reinigungsschritten bestimmt. Hieraus werden Kenngrößen abgeleitet, die eine Prognose von Ablauffrachten für die verschiedenen Kläranlagen in Schleswig-Holstein ermöglichen sollen.

Neben der Ausbreitung von Spurenstoffe geriet in den vergangenen Jahren vermehrt die Ausbildung von Multiresistenzen von Keimen in Krankenhäusern und auch im Entwässerungssystem in die Diskussion. Aus diesem Grund wird in einem integrierten Probenahmeprogramm auch das Vorhandensein multiresistenter Bakterien im Rohabwasser als auch im Kläranlagenablauf untersucht. Die Ergebnisse des Projektes erlauben schließlich die Überprüfung, ob das vermehrte Auftreten dieser Bakterien im Entwässerungssystem und in Kläranlagen mit erhöhten Antibiotika-Konzentrationen einhergeht.