Digitale Hochschulbildung im Fokus

Auf einer Pressekonferenz zu Beginn der letzten Woche in Berlin wurde der neue Forschungsschwerpunkt des Bundesbildungsministeriums (BMBF) zur Digitalisierung in der Hochschulbildung vorgestellt. Die „Digitale Hochschullehre“ ist eines von fünf definierten Handlungsfeldern des BMBF, in denen Nutzen und Grenzen digitaler Medien in der Hochschule erforscht werden.

(v.l.) Michael Kerres (Universität Duisburg-Essen), Oliver Janoschka (Geschäftsführer des Hochschulforums Digitalisierung), Cornelia Quennet-Thielen (Staatssekretärin im BMBF), Muriel Helbig (Präsidentin der Fachhochschule Lübeck) und Olaf Zawacki-Richter (Universität Oldenburg). Foto/Quelle: BMBF/Hans-Joachim Rickel

Dr. Muriel Helbig, Präsidentin der Fachhochschule Lübeck, beim Pressegespräch. Foto/Quelle: BMBF/Hans-Joachim Rickel

Eine Expertenjury hatte 20 Einzel- und Verbundprojekte an 39 Instituten bundesweit für die Förderung ausgewählt, die jetzt im März 2017 starten. Im Fokus dieser Projekte stehen Untersuchungen und Betrachtungen von Chancen und Risiken der Forschungsfelder digitaler Hochschulbildung, neue didaktisch-digitale Konzepte und die Einbindung technologischer Neuentwicklungen. Die Forschungsprojekte, die für die nächsten drei Jahre mit insgesamt mehr als zwölf Millionen Euro gefördert werden, sind ein wichtiger Beitrag zur "Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft" des BMBF.

Bei dem Pressegespräch war neben der Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen, BMBF, u.a. auch die Präsidentin der FH Lübeck, Dr. Muriel Helbig vertreten. Die FH Lübeck ist mit einem Verbundprojekt namens IKARion unter Federführung von Prof. Dr. Monique Janneck, Fachbereich Elektrotechnik und Informatik der FH Lübeck und den Universitäten Bochum und Duisburg-Essen unter den ausgewählten 20 Projekten. 

"Der Einsatz digitaler Technologien kann dabei helfen, die Hochschullehre zu verbessern. Außerdem bieten digitale Medien interessante neue Möglichkeiten, um auf eine immer heterogenere Studierendenschaft und steigenden Weiterbildungsbedarf zu reagieren. [...] Sinn und Nutzen sowie die Lerneffekte durch die Verwendung dieser Technologien müssen intensiv erforscht werden", sagte Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen. "Die Anwendung digitaler Formate führt nicht automatisch zu einer besseren Lehre - von entscheidender Bedeutung sind die didaktischen Konzepte, die hinter der Nutzung digitaler Technologien stehen, um zum Beispiel Studierende aktiver einzubinden."

Die Präsidentin der FH Lübeck verwies auf die langjährigen Erfahrungen der FH Lübeck, die bereits seit den 1990-ern digitale Lehre fördert. Diese ist aber „kein Selbstläufer“, sondern „aufwendig und teuer“, sagte Helbig und schlug eine Bündelung der Ressourcen vor. Danach sollte nicht jede Hochschule für jeden Kurs versuchen, eigene digitale Inhalte neu zu erfinden. Vielmehr wäre es zielführender und realistischer, wenn sich einige wenige Hochschulen auf die Entwicklung digitaler Lehrformate konzentrieren und dann als Dienstleister für andere Hochschulen auftreten, die diese Formate übernehmen könnten. Helbig betonte: „Die Umstellung bedeutet viel Aufwand für Lehrende. Diese dafür zu motivieren, ist nicht immer einfach, nicht zuletzt, weil Studierende digitale Lehrformate nicht unbedingt einfordern würden. Sie nutzen diese zwar gerne, wenn sie erst einmal angeboten werden. Aber sie vermissen digitale Angebote auch nicht, wenn man sie nicht vorhält.“ 

„Das geförderte Verbundprojekt von Professorin Janneck biete eine gute Gelegenheit, weitere Kollege_innen der Hochschule für digitale Lehrformate zu interessieren, um so peu à peu und ohne Zwang die gesamte Hochschule mitzunehmen“, erläuterte Helbig weiter.  

In dem Projekt IKARion (Intelligente Unterstützung für Kleingruppenarbeit in der online-gestützten Hochschullehre) geht es darum, Verfahren zur intelligenten automatisierten Diagnose und Intervention zu entwickeln, um Kleingruppenarbeit in online-gestützter Lehre zum Erfolg zu führen. Hierzu sollen Interaktionsprobleme in den Gruppen automatisch erkannt werden. Für typische Problemmuster, die in den untersuchten Kleingruppen auftreten, werden passende automatisierbare Interventionen zur Steuerung der Kleingruppenarbeit entwickelt. Das Projekt möchte diese intelligenten, adaptiven Interventionen in unterschiedlichen online-gestützten Lehr-Lernformaten in verschiedenen sozial- als auch natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fächern und bei verschiedenen Hochschultypen untersuchen.