MOOCs statt Hörsaal? FH Lübeck erprobt Verfahren zur Kompetenzfeststellung

Offene Online-Kurse für alle, sogenannte Massive Open Online Courses (MOOCs), gibt es zu zahlreichen akademischen Themen. Aber MOOCs statt Hörsaal - geht das? Die Fachhochschule Lübeck hat in einem Verbundprojekt mit Kiron Open Higher Education geprüft, ob nach der Teilnahme an internationalen MOOCs vergleichbare Kompetenzen festgestellt werden können, wie nach einem entsprechenden Präsenz-Hochschulkurs.

Engagiertes Team: Prof. Friedhelm Mündemann, Prof. Agathe Merceron, Prof. Rolf Socher (v.l.n.r.) und Prof. Dr. Ulrich Klages (nicht abgebildet) prüfen akademische Kompetenzen von Geflüchteten. Foto: Linda Wulff, ILD

Viele Geflüchtete erfüllen zunächst nicht die formalen Zulassungsbedingungen für
ein Studium an einer deutschen Hochschule. Über das offene Format von MOOCs können sie aber zahlreiche Online-Kurse belegen, deren Lerninhalte mit Hochschulkursen übereinstimmen. Kiron hat zu diesem Zweck Studiengänge von Partnerhochschulen mit MOOCs verglichen und mögliche anrechenbare Kurse identifiziert.

Zahlreiche Hochschulen haben Probleme, pauschal MOOCs anzurechnen - selbst wenn die Lehrinhalte übereinstimmen. Um hier einen gangbaren Weg aufzuzeigen, trafen sich auf Initiative der FH Lübeck Vertretungen von Partnerhochschulen aus dem digitalen Hochschulkonsortium Virtuelle Fachhochschule in Berlin. 

Professorin Agathe Merceron, Beuth Hochschule, Professor Ulrich Klages, Ostfalia Hochschule und die Professoren Rolf Socher und Friedhelm Mündemann, Technische Hochschule Brandenburg diskutierten und erprobten praktische Anrechnungsmöglichkeiten, um erworbene Kompetenzen von MOOC-Teilnehmenden festzustellen. 

Geprüft wurden 14 Teilnehmende aus dem Iran, Syrien, Afghanistan, Gambia und Ägypten in ausgewählten Fächern der Medieninformatik. Jede Prüfung beinhaltete einen schriftlichen und mündlichen Teil. Insgesamt wurden 13 Prüfungen erfolgreich bestanden. Auch wenn nicht alle Studierenden die Prüfungen bestanden haben, zeigte sich das professorale Team  beeindruckt von dem Engagement und dem Potenzial der Studierenden. "So engagierte Menschen brauchen wir in Deutschland", so Agathe Merceron von der Beuth Hochschule.

Milena Dietrich von Kiron Open Higher Education bestätigte den Erfolg der Veranstaltung mit den Worten: "Schon alleine das Erleben einer deutschen Prüfungssituation hat den Teilnehmenden sehr geholfen. Sie sind jetzt für ihr weiteres Studium in Deutschland viel besser gewappnet." 
Die Ergebnisse dieser Erprobung lieferten erste Ansätze für ein weiteres Vorgehen in Bezug auf Anrechnungsoptionen von MOOCs. Ein zweiter Prüfungsdurchlauf im Spätsommer 2017 soll weitere Erkenntnisse bringen. "Die guten Ergebnisse, die die Geflüchteten in den Prüfungen erzielt haben, ermutigen uns, uns weiter für die einfachere Anrechnung von MOOCs einzusetzen", kommentiert Professor Rolf Granow, E-Learning Beauftragter der FH Lübeck, das Resultat des ersten Durchlaufs. 

Die Prüfungen wurden im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts "INTEGRAL2 - Integration und Teilhabe von Geflüchteten im Rahmen von digitalen Lehr- und Lernszenarien" durchgeführt. Das Projekt wird gemeinsam von den Projektpartnern Kiron, FH Lübeck und RWTH Aachen durchgeführt und beinhaltet Maßnahmen zur Kompetenzfeststellung, Anrechnung und Unterstützung in der onlinebasierten Studienvorbereitungs- und Eingangsphase von Geflüchteten.

Linda Wulff, Fachhochschule Lübeck, Telefon +49 451 160818 26, E-Mail: linda.wulff(at)fh-luebeck.de  

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