Über das Internet können weltweit neue Märkte und Kunden erreicht werden. Konstruktion und Planung, Produktion, Fertigung, Vertrieb und Auslieferung lassen sich weltweit zu einem vernetzten, virtuellen Produktionsverband verknüpfen. Die Informationstechnologie ist heute zu einem Querschnittsthema in nahezu allen Bereichen der Wirtschaft, der Industrie, der Verwaltung und der Medizin geworden. Dabei fällt auf, dass eine zeitnahe und automatisierte Verknüpfung von Prozessdaten mit betriebswirtschaftlichen Prozessdaten immer bedeutender wird, da sowohl die Produktionsprozesse als auch die betriebswirtschaftlichen Prozesse einerseits immer schneller ablaufen und andererseits Sicherheitspuffer z.B. in Form von Lagerbeständen zu erheblichen Kosten und damit zu Wettbewerbsnachteilen führen. AngewandteIT soll es ermöglichen, Informationen bilateral zwischen Produktionprozess und Geschäftssprozess zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle verfügbar zu machen und im Sinne einer Produktivitätssteigerung zu nutzen. Dabei sollen Informationen sowohl innerhalb einer Industrieanlage als auch standortübergreifend, prozessübergreifend und ggf. unternehmensübergreifend durchgängig und transparent ausgetauscht werden können. Dieser Ansatz bildet die Basis für Supply Chain Management Konzepte, wie sie heute in der Industrie realisiert werden. Transparenz ist für die Teilnehmer der Supply Chain genauso wichtig wie für den Kunden. Dies erfordert wiederum einen aktuellen und zeitnahen Informationsaustausch über Veränderungen oder Störungen des Produktionsflusses, genauso wie eine zeitnahe Darstellung der damit verbundenen Kosten. Voraussetzung hierfür sind einerseits leistungsfähige, transparente, sichere und zuverlässige IT-Infrastrukturen (Daten-Kommunikationsnetze) und eine geeignete System-Architektur. Jede benötigte Information muss zu jedem gewünschten Zeitpunkt zur Verfügung stehen. Die IT-Infrastrukturen müssen für zukünftige Anforderungen ausgelegt, leicht erweiterbar (skalierbar) und herstellerunabhängig sein. Andererseits sind aber auch optimierte Geschäftsprozesse, die den betriebswirtschaftlichen Anforderungen hinsichtlich niedrigen Kosten und logistischer Zielgrößen wie niedrigen Beständen, kurzen Durchlaufzeiten, Flexibilität, Kundenservice etc. gerecht werden, zwingend erforderlich. Eine Automatisierung auf Basis ineffizienter Geschäftsprozessstrukturen ist i.d.R. nur wenig Erfolg versprechend. Das Zusammenwachsen der Büroautomatisierungswelt mit der Industrieautomatisierungswelt wird somit zukünftig ein zentraler Erfolgsfaktor insbesondere für stark automatisierte Unternehmen (z.B. Prozessindustrie) sein. Die angewandte Informationstechnik befasst sich gezielt mit der Integration von Geschäfts- bzw. Produktionsprozessen und IT Strategien und Konzepten. Dies erfordert zwingend eine fachübergreifende Zusammenarbeit zwischen der Ingenieurswissenschaft, der Informatik und der Betriebswirtschaft. Der Studiengang "Angewandte Informationstechnik" führt diese drei klassischen Schwerpunkte zu einem interdisziplinären Fachgebiet zusammen.
Darstellung der durch das Studium zu erreichenden Lernergebnisse
Der Aufbau des Master-Studiengangs erfolgt im Fachbereich Elektrotechnik für die bereits genannten Studienschwerpunkte KIM und ESA. Fachbereichsübergreifend beteiligt sich der Fachbereich Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen und ermöglicht eine interdisziplinäre Ausrichtung des Studiengangs, so dass die ausgewählten Bachelor-Absolventen und Absolventinnen ihre Kenntnisse nicht nur auf bereits bekannten Fachgebieten vertiefen, sondern die Möglichkeit erhalten, sich wissenschaftlich auch auf betriebswirtschaftlichen Fachgebieten interdisziplinär weiter zu qualifizieren. Dies wird gewährleistet durch das Angebot einer wissenschaftlich fundierten und zeitnahen, an den aktuellen wissenschaftlichen Fragestellungen und Ergebnissen orientierten Ausbildung. Die Studierenden vertiefen ihr Fachwissen im technischen Bereich und erweitern es im betriebswirtschaftlichen Bereich, um auch komplexe informationstechnische Aufgabenstellungen effizient lösen zu können. Durch die interdisziplinäre Kompetenzbildung eröffnet sich den Studierenden nach Abschluss des Master-Studiums ein breites Spektrum von Aufgabenfeldern, die sich mit der Konzeption und Systementwicklung für die Erfassung, Verarbeitung und Verteilung von Informationsflüssen befasst, unabhängig davon, ob es sich um einen Produktionsprozess, einen Geschäftsprozess oder einen zwischen beiden ablaufenden Prozess handelt. Ein weiterer Aspekt der interdisziplinären Ausbildung ist die Stärkung der Teamfähigkeit, was heute von allen Unternehmen gefordert wird. Eine enge Verzahnung des Master-Studiengangs mit dem im Aufbau befindlichen Kompetenzzentrum Industrielle IT und dem Institut für Logistik soll sowohl in der Lehre, als auch in den genannten, forschenden Instituten wichtige Impulse im Hinblick auf die Forschungsinhalte und im Hinblick auf die Nachhaltigkeit des wissenschaftlichen Niveaus setzen. Ziel ist es, den Studierenden die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten zum wissenschaftlichen Arbeiten in der angewandten Forschung und Entwicklung zu vermitteln, was schließlich durch die erfolgreiche Bearbeitung der Masterarbeit nachgewiesen wird. Dies befähigt sie, eine professionelle Berufstätigkeit in allen Bereichen der angewandten Informationstechnik auszuüben. Die Etablierung eines Master-Abschlusses an der Fachhochschule Lübeck bietet somit die Möglichkeit einer Neustrukturierung und Straffung des Studienangebotes. Darüber hinaus bewirkt dies eine stärkere Differenzierung des Ausbildungsangebots mit dem Ziel einer deutlichen Verbesserung der Berufsqualifizierung und der Arbeitsmarktfähigkeit der Absolventen und Absolventinnen. Die Forschungs- und Entwicklungsinhalte sollen sich auch an den regionalen und überregionalen Bedürfnissen des Marktes orientieren. Neben dem berufsqualifizierenden Bachelor-Abschluss wird somit auch ein berufsqualifizierender wissenschaftlicher Abschluss mit Befähigung zur Promotion geschaffen. Dies führt zu einer hohen Transparenz und Durchgängigkeit des Studiums, setzt innovative Impulse im Zusammenwirken von Wirtschaft, Hochschule und Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen in der Region und darüber hinaus.